Außerkirchliche Trauerfeier, so wie ich sie sehe und gestalte

Eines kann ich dir gleich mal verraten, eine Trauerfeier ist nichts, wovor man Bammel haben muss. Im Gegenteil, es ist ein Fest der Liebe und ...., es mein Geschenk an dich und meine Hingabe an das Leben und an meine Arbeit.
An einer Trauerfeier musst du nur eins: zu dir stehen und zu deinen Gefühlen. Aber ja, ich weiß, genau das ist ja das Schwierige für viele Menschen.

Im Folgenden erzähle ich dir ein wenig mehr von dem, was ich da mache und vor allem, warum ....!

In der Gegenüberstellung zu den kirchlichen Traditionen, bietet eine außerkirchliche Zeremonie die Freiheit auf die persönlichen Wünsche, Lebensphilosophien und Glaubensvorstellungen eines Verstorbenen und dessen Familie eingehen zu können. Als Freie Trauerrednerin nehme ich ganz bewusst die Position ein, allen Anwesenden grundsätzlich wertschätzend zu begegnen und unsere menschlichen Unterschiede zu achten.
Auch meine gesprächstherapeutische Ausbildung (Carl Rogers) unterstützt diesen Lebensansatz, in welchem der Mensch vor dem Produkt wahrgenommen werden möchte und nicht umgekehrt.

Das vorbereitende Gespräch, die Begegnung mit den Angehörigen legt diesen vertrauensvollen Boden, auf den die Trauerfeier aufbaut. Dabei schaue ich nicht auf die Uhr, aber auf das, was gesagt und ausgedrückt werden möchte, denn oft liegen gerade im Unausgesprochenen große Schätze verborgen.
Jeder Mensch möchte sich in seiner Individualität verstanden fühlen, fern von Vorurteilen und Bewertungen.
Ich begegne abertausenden von Menschen und ich weiß, wir sind alle aus dem gleichen Stoff. Ich verstehe mich auch beruflich als Freund & Partner und bringe mich als solches bei den Angehörigen eines Verstorbenen ein:
achtsam, mitfühlend, verständnisvoll und mit einem offenem Ohr.

Im nächsten ganz wichtigen Schritt, geht es darum so zuhören zu können, dass man das Anliegen der Angehörigen erfassen kann. Die eigenen Vorstellungen dürfen zunächst mal in den Hintergrund treten, die habe ich ja sowieso im Gepäck. Viel wichtiger ist die Frage: mit wem habe ich es heute zu tun? In welcher Weise kann ich an dieser Trauerfeier dem Verstorbenen und dessen Familie gerecht werden?

Merkst du was? Ja, es ist in der Tat das menschliche Interesse, dass die Qualität ausmacht. Ohne eine solche Anteilnahme erhalten Angehörige 0815 - Reden und eine Trauerfeier, die keinen Namen aber eine Nummer hat….

Doch selbst, wenn dich die Begeisterung für deinen Job antreibt, entwickle nicht den Ehrgeiz alles selber machen zu wollen, aber das nur nebenbei. Auf meine Arbeit bezogen, würde ich mich sehr einschränken, wenn ich mich allzu sehr in den Vordergrund drängen würde. Auch eine Zeremonie lebt von der menschlichen Vielfalt und den persönlichen Wünschen und Gestaltungsideen der Mitwirkenden. Es ist mir eine Freude, hierfür
einen lebendigen und kreativen Raum anzubieten.

Nun ich bin eine Frau, die nicht nur Feste liebt, sondern auch solche mit individuellem Charakter und persönlicher Note. Ich finde „Abschiednehmen“ darf uns Menschen nicht abgenommen werden! An einer Trauerfeier werden so viele Er-inner-ungen mitgebracht …, ich sehe meinen Beitrag darin, einen Raum für
all diese Gedanken und Gefühle zu öffnen, auf dass sie gelebt werden können.
Natürlich jeder so passiv oder aktiv, wie er will und kann und ohne ein „Muss“.

Die Rückmeldungen, die ich nach all den vielen Trauerfeiern erhalte, bestätigen mir die Freude der Menschen, angesprochen, beteiligt und nicht übergangen worden zu sein.

Den Verstorbenen zur Sprache bringen – uns mit ihm uns alle. Wie mache ich das?
Nun, zunächst liegt ganz pragmatisch auch an den Wünsche des Verstorben bzw. seiner Familie, ob es eher in seinem Sinne lag sein Leben als chronologischen Rückblick da sein zu lassen oder ob ein Bild des Menschen
gezeichnet wird.
Aus diesem Gespräch und dem Roten Faden seines Lebens, erkenne ich, welche philosophische Brücke ich als Metapher bauen kann. Diese führt über die Lyrik, Gedichte, Gesang und Musik, manchmal auch Dias oder ein
Film, eine Ausstellung, oder ein gemeinsames Ritual…. zu der Synthese seines und unser aller Leben und Sterben.
Wenn man so will, ist es die geistige Quintessenz dieses einen Lebens, im Verständnis für den Sinn des großen Ganzen.

Diesen Teil meiner Ansprache schätze ich sehr, beinhaltet er neben meinen Ausführungen zugleich die Anerkennung, den Dank, die Wertschätzung und den Segen aller anwesenden Trauergäste.

Mit Würde Abschied nehmen ist schnell gesagt – aber in der Hektik des Alltages oft nur ein Punkt auf der Liste, der zudem noch ungute Gefühle macht.
Nicht so, wenn ich da bin. Ich lade die Zeit ein und vor allem dein Herz. Heute darf es sich öffnen und wenn es möchte, sogar richtig traurig sein und weinen. Jetzt, in diesen Minuten darfst du echt und wahr und authentisch sein …, wer weiß was anschließend auf dich wartet ….jetzt bist du da. Deshalb sei ganz da. Du bist es mir wert.

Ich gestalte diese Zeremonie sehr bewusst. Außerkirchliche Trauerfeiern sind der Spiegel des Verstorbenen, ob mit oder ohne Gebet, ob allein durch mich oder in der gemeinsamen Ritualgestaltung mit einem Pfarrer/Priester, Moslem oder Angehörigen … Ich öffne Räume, in welchen du bei dir so ankommmen und Abschied nehmen kannst, wie es der dir gut tut.

Auch Spontanität ist erwünscht: so kommt es vor, dass plötzlich eine Mundharmonika ausgepackt wird oder am

Grab ein Brief an die Freundin vorgelesen wird. Und so manches Mal beschließen wir eine Beerdigung im Friedwald mit einem gemütlichem Picknick am Baum, der Grabstätte des Verstorbenen.

Solcherlei mit Freude und innerer Anteilnahme ausgerichtete Außerkirchliche Trauerfeiern werden zu einem Erlebnis für alle beteiligten Trauergäste. Ein Fest, welches sie gerne in Erinnerung behalten.
Der Dank, der zu mir zurückfließt ist unbeschreiblich. Sagte doch einmal ein Herr zu mir: „Das was Sie eben gegeben haben, hat mich in einer Weise berührt, wie ich es noch nie erlebt habe. Ich bin nicht mehr der
Gleiche, der ich zuvor war. Dafür möchte ich Ihnen von Herzen danken.“

Und nun danke ich dir, für deine Aufmerksamkeit und dein Interesse an meiner Arbeit. Wenn du noch mehr über mich und meine Be-ruf-ung wissen möchtest, du weißt ja, wo du mich finden kannst: übrigens auch bei www.wer-kennt-wen.de

Mit ganz lieben Grüßen, Ursula Oeßelmann.